Montag, 9. Mai 2011

War Of The Worlds (Kampf der Welten - 1953) und der Invasionsfilm/das Invasionsbuch als solcher/s

Endlich wieder eine Filmbesprechung und dann noch einen: Blockbuuuuusteeeeeer (man stelle sich eine Sirene und einen schlecht frisierten Brian Connolly vor)!
Und genau das ist dieser Streifen. Ein Effektfeuerwerk sondergleichen und ich bin mir sicher, dass es für die Zuschauer in den damaligen Kinos eine Offenbarung gewesen sein muss, diesen Film zu schauen. So etwas hatte man bis dahin noch nicht gesehen. Die komplette Zerstörung und das totale Chaos! Wenn man bedenkt, dass man in den 50ern noch viel weniger über den Weltraum wusste, was für eine grandiose Ausgangsgefühlslage für einen gepflegten Kinobesuch. 
Invasionsfilme. Ich liebe Invasionsfilme! Vor allem dann, wenn sie in den goldenen 50er Jahren gedreht wurden, als noch hinter jedem strauchbewucherten Hügel eine Untertasse abstürzen, Tieren noch durch verrückte Wissenschaftler zu unermesslichem Wachstum verholfen werden konnte und man sich zu keiner Zeit sicher war, ob der Mensch gegenüber nicht bereits von einem gehirnfressenden Außerirdischen heimgesucht wurde und im Inbegriff war, die Welt zu okkupieren. 
Auch deutsche Autoren, wie Thomas Le Blanc, beackerten das Genre
Natürlich spielt sich so etwas in einer Wüstenregion irgendwo in Amerika in der Nähe irgendeines kleinen Städtchens ab. Mit dabei der liebenswürdige Trottel, dessen sonderbarer Fund nicht ernst genommen wird, weil er am Tag eine Flasche Jack Daniels leert, aber auch der Held, der oft ein Wissenschaftler oder vom Militär ist und eine Barbedienung, Kellnerin oder Assistentin vor den Klauen der geheimnisvollen Eindringlinge retten wird.
Invasionsfilme sind etwas ganz Besonderes und leider ist das damals so munter florierende Genre über die Jahre immer stärker verkommen, wurde in Großstädte verlagert und mit CGI-Effekten ins Grab gebracht. Mir fiele bis auf "The Faculty"(1998) kein brauchbarer Streifen der letzten 20 Jahre ein. Ok, "Mars Attacks" (1996) vielleicht noch, aber ansonsten?
"War Of The Worlds" (1953) ist die Mutter aller Invasionsfilme und die literarische Vorlage kann man wohl auch als die Mutter aller Invasionsromane bezeichnen. Aber auch dort gab es noch weitere, tolle Werke, die verfasst wurden. Allen voran natürlich das legendäre "Day Of The Triffids" von John Wyndham, das in den 60ern als "Day Of The Triffids" (Blumen des Schreckens - 1962) sehr gut verfilmt, hierzulande aber in einer denkbar fürchterlichen Qualität veröffentlicht wurde, die jedem Anspruch spottet. Liebe Labels: hängt euch da mal rein. Der Film hat es verdient! Mein Buchexemplar, die deutsche Ausgabe von 1969 (lange vor meiner Geburt), hat komplett vergilbte Seiten, riecht modrig und zerfällt kontinuierlich in seine Einzelteile, aber genau deshalb ist das Lesen dieses Werkes ein heiliger Akt, der jeden Sommer, wahlweise am heißesten Tag, zelebriert wird!
Die süße Wissenschaftlerin Sylvia und Clark Kent...nein, natürlich Dr. Clayton Forrester
Aber auch das Buch "Die Marionetten-Spieler" (Weltraummollusken erobern die Erde) von  Robert A. Heinlein kann an dieser Stelle als Empfehlung erwähnt werden. Ein kleiner Rip-Off von Jack Finneys großartigem "The Body Snatchers", der sich trotzdem gut liest. Ich merke allerdings, wir gleiten etwas vom eigentlichen Thema weg.
Das spektakuläre Buch von H. G. Wells fesselt den Leser auch heute noch und beeindruckt mit einer zu Beginn heimeligen Atmosphäre und einer sehr spannenden Handlung. Byron Haskin hat die Geschichte nun um ein paar Jahrzehnte in die Zukunft verlagert, bleibt der Buchvorlage aber trotzdem in erstaunlich vielen Szenen treu. 
Die Story beginnt, ganz so wie im Buch, mit einem Erzähler aus dem Off, der uns vom Mars und all den anderen Planeten (und Nicht-mehr-Planeten im Fall von Pluto) berichtet. Visuell werden sie sehr ansprechend dargestellt und der Zuschauer seinerzeit könnte den Anfang noch für eine weltexklusive Dokumentation halten.
Der brennende Busch!
Dann stürzen Sternenkörper vom Himmel und versetzen in ihrer Folge die Menschheit in Angst und Schrecken. Mit ihrem tödlichen Laserstrahl zersetzen sie Materie und sind, auch wenn ein Pfarrer fest von Gegenteiligem überzeugt ist, durch und duch feindlich eingestellt.
In einem kleinen Wüstenkaff geht es los, dort stürzt der erste Meteorit ab und wird von den Dorfbewohnern untersucht, bis gelehrte Professoren die Szenerie betreten und mehr Aufschluss versprechen.
Schon bald zeigen sich die Invasoren bzw. ihre Tentakelspektralaugen und ihre Miniraumschiffe. Die menschliche Meute wird in die Flucht geschlagen und unser Quotenliebespaar verschanzt sich schließlich in einem leerstehenden Haus, um sich erstmal ein Spiegelei in die Pfanne zu hauen (das kurz vor dem Verzehr nicht besonders durchgebraten aussieht). 
Weltraumklotz trifft Farm
In den folgenden Szenen sehen wir auch einen unglaublichen Außerirdischen durch das Bild wackeln. Ein bisschen wie ET, aber trotzdem sehr furchteinflößend. Hätte ich damals im Kino gesessen, wäre ich vermutlich komplett ausgerastet!
Aber nicht nur die großartigen visuellen Effekte suchen ihresgleichen, auch die Ausstattung von "War Of The Worlds" ist einmalig. Eine Fülle an Statisten ist zugegen, es finden über 50% der Szenen im Freien statt und eine Innenstadt wird in Schutt und Asche gelegt. Außerdem ist die charaktergetriebene Handlung unglaublich spannend und lässt den Film zu keiner Zeit langweilig erscheinen.
Außerdem ist der Streifen, trotz des frühen Entstehungsjahres und weil es eben auch ein Paramount Bigpicture ist, in Technicolor! Auch wenn ich mir optional eine s/w-Fassung gewünscht hätte, geht das in Ordnung. Leider habe ich nur die gammelige Singlediscversion ohne Extras. Es existiert jedoch auch eine Special Edition mit viel Bonusmaterial.
Marsianer marodieren durch die Straßen
Ein toller Film, der in der Tradition des Buchklassikers und des Hörspielhighlights von Orson Welles, ausgefahrene Kinnladen hinterlässt. Lediglich das christliche Geschwurbel am Ende nervt ein wenig und hätte auch anders, neutraler, umgesetzt werden können. Aber wir wollen nicht so sein, denn dank "War Of The Worlds" haben wir noch viele weitere Alieninvasionsfilme wie "Earth Vs. Flying Saucers" (1956), "Invasion Of The Body Snatchers" (1956) oder "It Came From Outer Space" (1953) erhalten. Noch ein paar Worte zur Bildqualität. Die ist ausgesprochen scharf und wirklich beeindruckend knackig für einen Film, der vor fast 60 Jahren abgedreht wurde. Klar, ein großes Filmstudio hat auch ganz andere Möglichkeiten, einen Film zu lagern und über die Zeit zu bringen, aber als Filmfreund geht einem dann doch das Herz auf. Über dieses fürchterliche Remake mit dem Scientologen in der Hauptrolle sprechen wir hier erst gar nicht. Ein Klassiker, den jeder wenigstens ein einziges Mal in seinem Leben gesehen haben sollte! Wer noch außergewöhnliche Invasionsfilmfilmtipps auf Lager hat, scheut euch nicht, in den Kommentaren Empfehlungen preiszugeben! 
Coole Invasionsfilme, die noch auf ihre adäquate Umsetzung warten:
  • Invasion Of The Saucer Man (1957)
  • Target Earth (1954)
  • Kronos (1957)
  • Devil Girl From Mars (1954)
  • It! The Terror From Beyond Space (1958)
  • Robot Monster (1953)
  • Teenagers From Outer Space (1959)
  • The Brain Eaters (1958)
  • Invaders From Mars (1953) ungeschnitten

Mutter der Invasionsliteratur nebst Mutter der Invasionsfilme in trauter Eintracht

Kommentare:

  1. Ich empfehle noch folgende Filme:
    PUPPET MASTERS (USA 1994)nach Robert A. Heinleins Buch "Die Marionettenspieler".
    BODY SNATCHERS - DIE KÖRPERFRESSER (USA 1993) von Abel Ferrara
    INVASION (USA 2007)von Oliver Hirschbiegel
    GOKE - DER VAMPIR AUS DEM WELTALL (Japan 1968) Sehr schräg aber ich mag ihn sehr!
    Weniger Invasionsfilm, eher von-Aliens-entführt-Drama ist FEUER AM HIMMEL (USA 1993). Sehr intensiv und wirklich gut gemacht. Die Szenen im Alien-Raumschiff gehören für mich immer noch zu den überzeugendsten des Genres und sind nichts für zarte Gemüter! (Zumindest fand ich das Mitte der 90er. Müßte mir den auch mal wieder ansehen.)
    Ansonsten wieder ein schöner Text von Dir! Gerne mehr davon.

    Gruß
    grek666

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  2. Hey Grek!
    Danke für die Tipps!
    Body Snatchers von 1993 hab ich hier auch noch stehen, allerdings noch immer nicht gesichtet. Dann werd ich das diese Woche direkt mal nachholen! Die Verflung von Heinleins Buch interessiert mich natürlich sehr, da ich den Roman wirklich gut fand!

    Cheers

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  3. Hi grek666,

    ich finde diese Filme zwar größtenteils eher ziemlich schlecht, aber einer davon ist mir sofort in die Glubschis gesprungen :"Feuer am Himmel". Den finde ich auch ziemlich gut ! Gerade wie Du schon sagst, die Szenen im Raumschiff..selten sowas bedrückendes, beinahe wirklich reales gesehen ! Da meine Sammlung langsam überdimensionale Formen annimmt und ich eher auf kleinem Raum lebe, habe ich ihn kürzlich bei ebay verkauft. Aber dennoch ein starker Film !

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  4. Hi ZombieBunker, auch ein m.M.n. ganz toller Film, wenn auch nicht "direkt" ein Invasionsfilm ist Sphere – Die Macht aus dem All von Barry Levinson - nach dem Roman Sphere - Die Gedanken des Bösen von Michael Crichton.

    Der Film ist extrem nah am Buch - und die Atmosphäre, welche der Film / das Buch aufbaut einfach nur noch Gänsehaut (finde ich).

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