Freitag, 31. Dezember 2010

Monster On The Campus (Der Schrecken schleicht durch die Nacht - 1958)

Zur Feier des Tages gibt es heute wieder mal einen Klassiker von den Universal Studios. Kein geringerer als Jack Arnold ("Creature From The Black Lagoon" (1954), "Tarantula" (1955), "Revenge Of The Creature" (1955), The Incredible Shrinking Man (1957)) saß damals auf dem Regiesessel und hat uns diesen, vermutlich ersten, Monsterfilm, der auf einen Collegegelände spielt, beschert.
Schon zu Beginn des Films merkt man deutliche Unterschiede zu anderen Genrefilmen weniger liquider Filmstudios seinerzeit. Die Filmwelt wirkt üppiger, die Drehorte sehr gut ausgestattet und das, obwohl auch hier vergleichsweise wenig Geld für die Realisierung zur Verfügung stand. Außerdem ist Arnold ein Meister des Faches und ist, was Monsterhorror anbelangt, sowieso der ungekrönte König!
Mit "Monster On The Campus" (1958) hat er zugleich seinen letzten Monsterfilm auf die Zuschauerschaft losgelassen und sich danach TV-Serien wie "Gilligans Insel" oder "Immer wenn er Pillen nahm" gewidmet.
Es ist also ein ganz besonderer Streifen und Arnolds sozialkritischer Unterton klingt auch in diesem Werk wieder subtil mit.
Der Biologe Dr. Donald Blake bestellt sich ein uraltes Fischfossil in sein Labor, um es zu untersuchen und durch die so entstehende Medienaufmerksamkeit mehr Geld für sein Institut zu aquirieren. Das Fossil sieht verdammt gut aus und ist einem Quastenflosser nicht ganz unähnlich. Das gute Stück ist tiefgefroren, schmilzt aber, auch weil die Herren nicht von der schnellen Sorte sind, die ganze Zeit so vor sich hin. Der Schäferhund eines Studenten sabbelt schließlich an der Schmelzwasserlache, benimmt sich anschließend ziemlich merkwürdig und mutiert binnen kürzester Zeit zu einem garstigen, langzähnigen Aggrohund. Allerdings kühlt sein Gemüt schon nach wenigen Stunden merklich ab und er ist wieder die herzensgute Tierseele, die er vorher war.
Außerdem referiert uns der Chefbiologe, wie wichtig es ist, dass sich der Mensch evolutionsbiologisch weiterentwickelt hat und nicht mehr im instinktgeschwängerten Neandertal verweilt. Nicht so cool ist, dass der Gute, als er das stachelige Fischvieh hochwuchten will, die Hand in dessen Maul stopft und sich so eine Wunde zuzieht. Als er dann die Kiste aus dem Labor schaffen will, langt er mit der verletzten Pfote natürlich voll in das Schmelzwasser rein.
Nach kurzer Zeit mutiert auch er zum prähistorischen Affenmenschen mit einem lustigen, aber trotzdem atmosphärischen Kostüm (das dem Zuschauer allerdings erst sehr viel später in voller Pracht kredenzt wird) und fängt an, sich an den Leuten aus der Stadt zu vergehen. Die restliche Geschichte dreht sich dann im Prinzip darum, das Monster zu fangen, wobei sich natürlich gewisse Schwierigkeiten ergeben, da der Doktor auf jeden Fall unschuldig ist.
Das liest sich jetzt vielleicht gar nicht so spannend, aber der Film lebt vor allem von seiner Collegecampusatmosphäre. Natürlich sehen die Studenten schon alle wie Anfang 30 aus, aber die heimelige Nostalgiestimmung hüllt den begeisterten Zuschauer binnen weniger Minuten ein. Das Finale ist durchaus temporeich, natürlich wenig überraschend, aber äußerst charmant inszeniert. Die vielen Außenaufnahmen und Drehorte tun dem Streifen sehr gut und unterstreichen die offen empfundene Filmwelt.
"Monster On The Campus" ist ein Monsterfilm, wie er im Buche steht und sollte unbedingt einmal gesehen werden. Die Darstellerinnen sind entzückend, die Männer gar nicht mal so archetypisch machohaft und es gibt als ganz besonderen Bonus eine Monsterlibelle! Klar hätte man gern noch andere Viecher in ihrer prähistorischen Form gesehen, aber dafür war das Budget dann wohl doch zu klein.
Ich habe mich prächtig amüsiert und werde mir, wie bei jedem Arnoldfilm eigentlich, den Streifen noch einige Male ansehen.
Bei der Wahl der Veröffentlichung sollte man unbedingt zur Jack Arnold Monster Collection von Koch Media greifen. Neben "Monster on The Campus" ist dort nämlich auch noch das "Creature From The Black Lagoon" - Sequel "Revenge Of The Creature" enthalten und der, wenn auch nicht mehr von Jack Arnold gedrehte (von daher auch der etwas irreführende Titel "Jack Arnold Collection"), dritte Teil "The Creature Walks Among Us" (1956). Die Box kostet zwar etwas mehr, aber dafür gibt es einen sehr massiven Schuber und die Filme in schicken Digipacks mit großformatigen Kinofilmplakaten über das gesamte Cover. Außerdem ist die Bildqualität wirklich großartig geworden! Als Bonusmaterial sind auf dieser DVD eine Bildergalerie mit etlichen Plakaten und Aushangfotos, sowie der Original US-Kinotrailer und ein ausführliches Interview mit Arnold über seine Ambition, als B-Filmregisseur aufzusteigen.
Eine kleine Anekdote noch zum Schluss. Dr. Blake nimmt am Anfang des Films einen Gesichtsabdruck von einer Blondine, da er an seiner Wand eine ganze Galerie von Gesichtern der Menschenvorfahren hängen hat. Mit der Dame will er nun die Sammlung mit dem modernen Menschen komplettieren.
Eine der Masken in der Reihe ist der sogenannte Piltdown Mensch, der 1912 im Dorf Piltdown gefunden wurde. Schon 1953 fanden Wissenschaftler heraus, dass es sich hierbei um eine Fälschung handelte. In diesem 5 Jahre später entstandenen Film schaffte es der Piltdown Mensch dennoch.

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Die Rückkehr der Galerie des Grauens von Anolis

Im April 2011 fällt der Startschuss für den Nachfolger der außergewöhnlichen und außerordentlich erfolgreichen Nostalgiebox "Galerie des Grauens". Das vorläufige Artwork enthüllten die Jungs von Anolis bereits zu Weihnachten. Daher darf es an dieser Stelle natürlich nicht fehlen.
Und ja, es ist wieder ganz phantastisch gelungen. Das Cover zu "The Monolith Monsters" ist allerdings nur ein Platzhalter.
Neben Artwork und Termin gibt es allerdings noch andere Neuigkeiten.
Der Filmregisseur Mick Garris hat für Anolis ein paar exklusive Audiokommentare eingesprochen. Beim ersten Teil der Reihe, "The Monolith Monsters" (1957), wird demnach auch eine Tonspur mit seiner Expertise die Scheibe veredeln.
Das ist aber noch nicht alles. Man verriet einen weiteren Titel, der sich in der Box befinden wird - "In den Klauen der Tiefe". Unter diesem Namen findet sich zwar kein Film, allerdings deutet einiges daraufhin, dass es sich hier um den seit langer Zeit von der Fangemeinde herbeigesehnten Knaller "The Mole People" (1956) handeln könnte.
Aus dem Artwork lassen sich allerdings noch mehr Titel lesen. Die Spinne stammt wahrscheinlich aus "Missile To The Moon" (1958) und die Raumstation aus Roger Cormans "War Of The Satellites" (1958).
Wir sollten also neben der 2011 durchstartenden Grindhouse Collection mit reichlich Titeln versorgt werden.
Es kann sich auf die neue Dekade gefreut werden.
Prost!

Dienstag, 14. Dezember 2010

The Vampire Lovers (Gruft der Vampire - 1970)

Endlich mal wieder eine Hammer Produktion im Player. Im Gegensatz zu den eher zahmen und nur erotisch angehauchten Vorgängern des hammerschen Gothic Horrors, besticht "The Vampire Lovers" (1970) durch ein wenig mehr Freizügigkeit und explitzite Tötungsszenen. Allzu leicht kam man damit jedoch nicht durch die damaligen Zensurbehörden von England oder den USA. Kaum zu glauben, aber dieser wirklich harmlose Film wurde erst 2000 in seiner ursprünglichen Form veröffentlicht und selbst dort fehlte noch eine Szene, in der sich Ingrid Pitt nackt aus einer Wanne erhebt (welche in dieser Fassung natürlich enthalten ist).
Tatsächlich handelt es sich bei diesem Streifen um eine Literaturadaption, die ein wenig vom üblichen Draculastoff abweicht. Durch die höher gesteckten Ziele, was sexuelle Darstellung anbelangt, um das abgebrühter werdende Publikum noch schocken zu können, konnte man mit dieser frauendominierten Rolle der Vampirin vor allem lesbische Liebesspiele auf die Leinwand bringen. Wer jetzt allerdings Sleaze erwartet, der sollte sich zunächst noch einmal ins Gedächtnis rufen, dass wir es hier mit einem britischen Film zu tun haben. Die knisternde Erotik der sich bezirzenden Schönheiten hält sich also stark in Grenzen und wirkt aus heutiger Sicht dezent und geschmackvoll eingesetzt.
Mit Peter Cushing als General von Spielsdorf hat man zudem einen bekannten Darsteller aus dem Hause Hammer im Boot und mit Ingrid Pitt eine vollbusige junge, aufstrebende Aktrice, die durch die mit Bravour gespielte Rolle noch weitere tolle Angebote bekommen sollte. Zum Beispiel als blutverschmierte und sich stets im Kampf gegen das Alter befindliche "Countess Dracula" (1971) in einem nicht weniger freizügigen Streifen (in dieser Charge sogar als delikate Büste verewigt).
Ok, aber kommen wir zur Handlung der Geschichte.
Ein alter Baron klaut einer aus einem Dampfkesselsarg entfleuchten Vampirbraut den Schleier. Diese begibt sich derweil in das nächste Dorf um den glubschäugigen Typen zu verspeisen, der so feist gegen die Hauswand strullert. Als das in Umhänge gehüllte Wesen zum Baron zurückkehrt (halbnackt) und diesen versucht, mit ihrem offenherzigen Dekolleté zu verführen, schlägt er ihr, kühn wie er ist, einfach den Kopf mit seinem langen Schwert ab.
Schnitt.
Wir befinden uns nun am Hofe von General von Spielsdorf und verfolgen eine Gesellschaft, die sich im Tanz erquickt, bis eine unheimliche Gräfin mit ihrer bildschönen Tochter Marcilla (gespielt von Ingrid Pitt) aufkreuzt und die Bubenschar zum Kollektivsabbern bringt. Kurz danach flattert noch ein kreidebleicher Mann mit Zylinder, ganz in schwarze und rote Kleidung gehüllt (seine Rolle im Film bleibt ein Geheimnis), durch den Saal und veranlasst, dass Marcilla bei General von Spielsdorf vorerst in Obhut bleibt. Schnell freundet sie sich mit der Tochter des Hauses, Laura, an und begehrt sie anscheinend auch. Zumindest küssen sie sich ständig. Dumm ist, dass Laura von da an ziemlich seltsame Träume hat (in schwarz/weiß!) und von riesigen flauschigen Teppichen attackiert wird, die sie später als, Obacht, Riesenkatzen identifizieren will. Jedenfalls kann das Mädel verdammt gut schreien und hat für ihre ersten 10 Sekunden definitiv eine Chance, in die Ruhmeshallen der B-Movie Scream Queens einzuziehen.
Danach ist Laura todkrank und Marcilla pilgert zur nächsten Familie, um deren vollbusige Tochter anzuknabbern.
Mehr wird nun auch nicht verraten.
Die Sets des Filmes sind wirklich toll, da stört es auch gar nicht, dass ein Teil aus "Taste The Blood Of Dracula" (1970) recycelt wurde. "The Vampire Lovers" wirkt unglaublich liebevoll ausgestattet und kann sogar mit einigen Außenaufnahmen in der Natur aufwarten. Man kann also zusammenfassen, dass der Film sehr wohl etwas fürs Auge ist, in zweierlei Hinsicht.
Etwas nervend ist das zweite hübsche Mädel, das in die Fänge von Marcilla gerät. Völlig doof überzeichnet mimt sie die Naivität in Person. Sie stellt sich weder clever beim Französischunterricht an, noch merkt sie, dass Marcilla ihr an die Wäsche will. Tja, und was soll ich sagen, auch Emma hat Träume in schwarz/weiß und sieht Riesenkatzen!
Die Geschichte entwickelt sich recht dynamisch und man fiebert tatsächlich mit den holden Damen in ihren Nachthemden mit. Aber auch für die schöne Ingrid Pitt hat der Zuschauer Sympathie übrig. Es schimmert immer wieder die innere Qual ihres Daseins in einer Geschichte voller Romantik, Intrigen, Freundschaft und Verzweiflung durch. Sogar psychologische Aspekte beleuchtet "The Vampire Lovers" und kann mit einem spannenden Ende punkten.
Wem spinnwebenverhangene Grufträumlichkeiten, nebelüberzogene Friedhöfe, schöne Frauen und eine gute wirklich gelungen umgesetzte Handlung etwas wert sind, sollte sich diesen Film unbedingt zu Gemüte führen. Es wäre grundverkehrt, ihn auf die damalig explizite Nudität und die Schockeffekte zu reduzieren. Die liebevolle deutsche Synchronisation erhöht den Nostalgiefaktor noch einmal deutlich und es ist auch nicht weiter schlimm, dass Cushings Rolle doch relativ klein ausfällt (hauptsächlich in den ersten und letzten 15 Minuten ist er am Start).
"The Vampire Lovers" ist, und daran gibt es keinen Zweifel, ein kleines Juwel in der Schatzkiste des Hammerhauses. Die vorbildliche Veröffentlichung von Kochmedia im Schuber mit Prägedruck und einem ausführlichen und informativen Booklet rundet das Erlebnis ab. Grandios!
Ingrid Pitt verstarb 2 Tage nach ihrem 73. Geburtstag am 23. November 2010 in London.

Montag, 13. Dezember 2010

Devils of Darkness (Die Gruft der toten Frauen - 1965)

Die Briten haben es in Sachen okkultiger Atmosphäre und sinistren Satansritualen einfach drauf.
Ein weiterer Beweis für die morbide Vormachtstellung auf diesem Sektor markiert der Gruselschocker "Devils of Darkness" aus dem Jahre 1965. Die ollen Vampirgeschichten im viktorianischen England waren den Machern anscheinend zu öde und so entschied man sich, das ausgelutschte Blutsaugerthema mit gepflegter Teufelsanbetung (inklusive Tieropfern) in die (damalige) Gegenwart zu holen. Was soll ich sagen, es funktioniert prächtig.
Zu Beginn bekommen wir eine virtuos vorgeführte Tanzeinlage einer bezaubernden Zigeunerin dargeboten. Offenbar handelt es sich um eine Art Hochzeitstanz, denn die flippige Dame umbuhlt einen weniger gutaussehenden und mit einer furchtbaren Frisur gestraften Gentleman. Nebenan erwacht eine Plastikfledermaus aus einem Steinsarg und hat es natürlich auf die schöne Braut abgesehen. Sie wird gebissen, das Volk verteilt sich im Wald und zack sind wieder einige Jahre ins Land gegangen.
So viel zum Vorspiel. Die eigentliche Geschichte beginnt. Der Graf Sinistre und seine geklaute Braut suchen den Ort heim, an dem derzeit ein Schriftsteller und eine Kunsthändlerin gastieren. Der Graf selbst sieht aus, als hätte er grade dutzende Faceliftings hinter sich. Ob diese übertriebene Schminke seine Jugend verkörpern soll oder der Schauspieler tatsächlich der eitlen Natur angehört, bleibt ungewiss.
Ach ja, eine Höhlenexpedition wird auch noch unternommen, die irgendwie mit der Erweckung zusammen hängt, aber die Handlung ist bei diesem Film sowieso nur sekundär, aber dennoch spannend! Viel schöner sind da schon die Kulissen anzuschauen. Das Hotel ist wirklich ein Augenschmaus und es gibt eine ganze Bandbreite an phantastischen Tapetenmustern zu bewundern!
Außerdem ist die vollgestellte Villa mit den vielen sich darin befindenden Schätzen sehr schön in Szene gesetzt. Die Rituale selbst wirken ebenfalls imposant und begeistern.
Der Schriftsteller schnappt sich aus der örtlichen Bibliothek erstmal fundierte Lektüre über die ihm seltsam erscheinenden Geschehnisse, nachdem es die Leute in seinem Umfeld reihenweise dahingerafft hat. "Magie und das Übernatürliche", "Hexerei und Schwarze Magie", "Schizophrenie" und "Die Enzyklopädie der Hexerei und Dämonologie" drückt ihm der Bibliothekar in die Hand und natürlich findet er darin Aufschlussreiches über den fiesen Halsknabbermeister.
Als kleines Bonbon bekommen wir außerdem noch eine kleine Künstlerparty zu sehen, bei der die Anwesenden im Sekundentakt übereinander herfallen. Allerdings geht es dabei noch relativ gesittet zu Werke. Zwar betrinkt man sich nicht zu knapp, doch lässt man weitestgehend die Hüllen nicht fallen.
Ein Rotschopf begibt sich derweil in die Fänge des Grafen Sinistre, der sich als Aktzeichner beweisen möchte und die Schönheit auf Leinwand bannen will.
Dummerweise wird seine Vampirbraut eifersüchtig, blöd gelaufen.
Das Ganze wird in herrlichen Farben und wie schon oben erwähnten tollen Settings präsentiert. Es gibt eine unheimliche Gruft, noch mehr virtuose Tänze und seeehr coole satanische Initiationsriten mit delilierendem Sprechgesang. Aber was mich wirklich beeindruckt hat, der Film ist wirklich anschaubar und zwar nicht nur auf der nostalgieästhetischen Ebene, sondern auch ganz objektiv. Die Handlung, auch wenn sie nicht wirklich innovativ ist, packt und fesselt, so dass man dem Ende entgegen fiebert. Bild und Ton der EMS DVD sind vorbildlich. Mit Schuber und informativem Booklet in der leider eingestellten "Phantastischen Film" Reihe erschienen, hält der Titel auch Alternativszenen und den Originaltrailer parat.
So erfährt man aus den Informationen zum Film, dass einige Szenen in den Pinewood-Studios gedreht wurden, während Sean Connery in einer angrenzenden Halle des Studios "Goldfinger" drehte. So klein kann England sein.
Kurzum eine tolle Veröffentlichung eines unerwartet guten Films. Zuschlagen, solange ihr noch die schöne Erstauflage im Schuber bekommt!

Freitag, 10. Dezember 2010

Gesandter des Grauens (1957) von Subkultur Entertainment mit Releasetermin

Endlich ist es soweit! Die Drive-In Classics starten pünktlich zum Jahresbeginn.
"Gesandter des Grauens" (1957) ist ab sofort bei den üblichen Shops (z.B. ofdb oder Icatcher) vorbestellbar. Der Veröffentlichungstermin ist nun der 15. Januar 2011. Der Film wird in einer Auflage von 500 Stück im Keep Case mit Einleger und Hochglanzschuber erscheinen. Bei Subkultur Entertainment selbst ist der Film bereits vergriffen. Also ranhalten, bevor wieder alle Exemplare aus den Onlineshops verschwunden sind!
Extras werden ein Audiokommentar mit Mike Siegel, Trailer und Bildergalerien sowie "Zahn der Zeit" - Zerstörte Szenen der Kinofassung mit der deutschen Kinosynchronisation sein.
Die Restauration hat wohl weniger eines an Schweiß und Lebenskraft gekostet. Satte 350 Tonschnitte mussten gesetzt werden. Das Bildformat wurde ebenfalls bearbeitet und liegt nun in 16:9 anamorph vor.
Den Trailer zum Anfixen gibt es hier.
+++Nachtrag+++
Der Film ist sowohl bei OFDB als auch bei ICatcher ausverkauft! Ranhalten, damit man nicht leer ausgeht!
+++Nachtrag+++
Einen kleinen Ausschnitt aus dem DVD Menu nachfolgend:

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Der musikalische Jahresrückblick 2010

Salom, salom. Heute mal wieder etwas frohere Kunde! Das Jahr neigt sich dem Ende. Daher ist es Zeit, mal ein Resumé über die musikalischen Veröffentlichungen 2010 zu ziehen. Dabei habe ich versucht, nicht zu stark metalzentriert vorzugehen.

Februar
Smoke Blow - The Record
Im fiesen und verschneiten Winter erwärmten die Kieler Krachkameraden von Smoke Blow die Herzen der Hörerschaft. Mit "The Record" wurden wieder deftigere Pfade betreten und eine unglaublich starke Platte vorgelegt. Nach dem sehr gemächlichen und Sommerfeeling verbreitenden Vorgänger endlich wieder Futter für Freunde aus "German Angst" Tagen. Musikalisch lässt sich das Album allerdings gar nicht mehr einordnen. Irgendwo zwischen Hardcorepunk, Crossover (der Gute!), Metal und Black metallischen Einflüssen. Ganz, ganz stark und vermutlich die meist gehörte Scheibe von mir dieses Jahr!
Anspieltipps: Broken Bonds Of Friendship, Summer Of Betrayal, Final Hands

März
The Dillinger Escape Plan - Option Paralysis
Wie man es von der chaotischen Truppe gewohnt ist. Eine ausführliche Besprechung habe ich an dieser Stelle noch parat. Unglaublich brachial mit einem feinen Gespür für filigrane und fragile Melodien.
Es ist schon erstaunlich, wie zuckersüß Greg Puciato sein Lied vorträgt und schon wenige Augenblicke später bricht die sprichwörtliche Hölle herein. Eigentlich würde ich mir schon im kommenden Jahr ein neues Output der fünf Amis wünschen.
Anspieltipps: Farewell Mona Lisa, Widower

Cathedral - The Guessing Game
Von dieser epischen und avantgardistischen Doom Metal Platte findet sich ebenfalls eine ausführliche Besprechung im Bunker. Auf 2 CDs haben sich die Engländer ein eigenes Denkmal gesetzt. Was für ein Magnum Opus! Allein die schier endlose Variation in der Instrumentalisierung ist schon beeindruckend für sich. Das aber auch noch mit absolut ohrwurmhaften Songs zu ergänzen, ist einfach nur phänomenal!
Anspieltipps: Funeral Of Dreams, Edwige's Eyes, Painting In The Dark

April
Darkthrone - Circle The Wagons
Seit Darkthrone ihre Rock'n Roll Wurzeln wiederentdeckt haben, nehmen sie nicht mehr viele ernst. Das liegt vielleicht auch daran, dass die beiden Norweger dem Black Metal in relativ hohem Maße abgeschworen haben. Stattdessen gibt es reichlich 80er Rotzrock mit Punkeinschlag, der einfach nur Freude macht. Ich stehe da auf der genau anderen Seite. Klar sind die Black Metal Klassiker auch heute noch großartige und wichtige Werke, aber die neue Seite gefällt mir persönlich doch wesentlich besser. Auch wenn "Circle The Wagons" nicht mehr ganz so genial ist, wie es noch "Dark Thrones And Black Flags" war.
Anspieltipps: Those Treasures Will Never Befall You, I Am The Graves Of The 80's

Red Sparows - The Fear Is Excruciating, But Therein Lies The Answer
Im April war es dann auch wieder soweit und ein neues Album der Post Rocker Red Sparows erblickte das Licht der Welt. Für Freunde von Pelican oder Isis auf jeden Fall eine weitere Bereicherung.
Flirrende Gitarre, zaghafte Melodiebögen, die sich in weiten Sphären verlieren. Durchsetzt wird die therapeutische Ruhe von sporadischen Gitarreneruptionen. Das Album bietet zudem ein breites Spektrum an Klangteppichen, die es zu einem Highlight des vergangenen Jahres werden lassen. Ich bin gespannt, was von der Band noch so kommen wird. Mich beschleicht zwar das Gefühl, dass sie ihr Pulver verschossen haben, aber im kreativen Umfeld von Isis oder Neurosis werden da eventuell noch ein paar neue Impulse gesetzt. Sehr toll!
Anspieltipps: In Illusion Of Order, A Swarm

Mai
Black Tusk - TasteThef Sin
Die Bands aus dem Kreise Savannah reißen einfach nicht ab und wenn sie qualitativ immer so liegen, dann ist das auch gar kein Problem. Black Tusk fröhnen wie schon Kylesa dem Wüstenrock, gehen dabei jedoch eine Spur aggressiver zu Werke. Der zweistimmige Gesang tut, wie bei ihren Brüdern und Schwestern im Geiste, unglaublich gut. Ich hoffe inständig, dass die Band einen ähnlichen Erfolg wie Baroness oder eben Kylesa einfahren wird. Verdient hat sie es. In "Taste The Sin" schlummert unglaublich viel Potential. Klar, die Scheibe ist nicht perfekt und unterliegt doch sehr Schwankungen im Songwriting, aber trotzdem gehört sie ganz klar zu den Glanzleistungen 2010.
Anspieltipps: Snake Charmer, Twist The Knife

Juni
Pendulum - Immersion
Elektronische Klänge aus Down Under. Die Truppe scheint mittlerweile zu den erfolgreichen Elektroacts zu gehören. Was mir ganz besonders imponiert, ist der, wie auch bei den Qemists, Einsatz von Gitarren. Auf der aktuellen Platte hört man davon zwar insgesamt weniger und es regiert der Drum 'n Bass, sie ist trotzdem sehr vielschichtig. Es gibt auch die ein oder andere Schnulznummer und der klare Gesang mag nicht jedermans Sache sein. Auch waren die Vorgänger meiner Meinung nach deutlich stärker. Trotzdem verstecken sich zwischen den 15 Songs wirklich grandiose Melodien, die es rechtfertigen, dass die Scheibe hier auftaucht.
Anspieltipps: The Vulture, Salt The Wounds

Watain - Lawless Darkness
So, hier haben wir dann den Hassbatzen 2010. Die Black Metaller von Watain spielen nicht die primitive, sondern die rockige Variante des Black Metals. Mit den Anfangsveröffentlichungen wie "Rabid Death's Curse" hat "Lawless Darkness" nicht mehr viel zu tun. Der Gesang hat sich verändert, es rumpelt nicht mehr so charmant. Trotzdem ist die Platte unglaublich kraftvoll und bietet mit dem 14-minütigen Waters Of Ain noch einen epischen Abschluss. Man mag ja von den Schweden halten, was man will und dieses okulte Gebaren verurteilen oder als nettes Gimmick akzeptieren, aber die musikalische Qualität kann man definitiv nicht in Abrede stellen. Leider ist "Lawless Darkness" nicht ganz so stark wie der Vorgänger "Sworn To The Dark", da einfach die Hits fehlen. Die Einzelsongs sind eher unscheinbar und bieten sich an, die Platte als ganzes am Stück zu hören. Ebenfalls ein kleines Highlight 2010, schon allein wegen der absolut großartigen Vinylveröffentlichung!
Anspieltipps: Waters Of Ain, Reaping Death, Total Funeral

Juli
Kvelertak - Kvelertak
Ok, ich glaube, dass ich hier nicht lange um den heißen Brei drumrum reden kann. Die junge norwegische Kapelle hat definitiv das Album des Jahres auf die Beine gestellt. So viel Energie, so großartige Melodien, so direkt nach vorne treibende Rocknummern hat man schon lange nicht mehr gehört. Dabei bietet man uns straighten Rock aus alten Turbonegrotagen und würzt diesen mit einem richtig fiesen Black metallischen Klang.
Ich habe wirklich darauf gewartet, dass sich die Platte bei mir abnutzt, aber auch nach 4 Monaten wird sie noch regelmäßg und exzessiv aufgelegt. "Kvelertak" ist der perfekte Soundtrack, um sich eine Bierdose zu schnappen, diese mit Gewalt gegen die Stirn zu schlagen, schreiend durch die Bude zu springen und alles kurz und klein zu schlagen. Der pure Wahn eben.
Anspieltipps: Mjød, Utrydd Dei Svake, Fossegrim

Norma Jean - Meridional
Ja, ich hab echt Schwierigkeiten mit christlichen Rockbands und im Zweifel ignoriere ich sie einfach, bei Norma Jean ist das allerdings wegen völliger musikalischer Genialität nicht möglich.
Mittlerweile knüpfen die 5 Heiligen aus Atlanta wieder an den durchgeknallten Mathcore aus "Redeemer"- Zeiten an. Von daher ist eine klare Steigerung zum eher uninspirierten, aber trotzdem guten Vorgänger "The Anti Mother" zu sehen.
Die Gitarren frickeln wieder und Cory Putman spuckt wieder Blut. Ein abwechslungsreiches Album, auf dem es zumeist wüst her geht. Trotzdem irgendwie liebenswert. Goutierbar!
Anspieltipps: Leaderless And Self Enlisted, Deathbed Atheist Bloodburner

Decrepit Birth - Polarity
Santa Cruz Baby und so sieht Sänger Bill Robinson auch aus.
Nach dem unglaublich starken und Weg bereitenden "Diminishing Between Worlds" war ich sehr gespannt auf die neueste Scheibe dieser technischen Death Metal Bande. Wahnwitzige Gitarrensoli und orgasmenhafte Melodiebögen konnten damals noch über die eher durchschnittliche vokale Leistung hinweg täuschen.
Ich habe wirklich versucht, "Polarity" eine Chance zu geben, aber so richtig zündet die Scheibe auch heute noch nicht. Leider. Es gibt einige vielversprechende Ansätze, aber über den großen Teil ballert die ganze Chose ins Leere. Selbst wenn das jetzt erstmal sehr negativ klingen mag, hat die Scheibe trotzdem noch etliche Highlights zu bieten. Man kann also sagen, es ist eher ein Jammern auf hohem Niveau. Aber bei dem Vorläufer war es auch praktisch unmöglich, noch einen oben drauf zu setzen.
Anspieltipps: Ignite The Tesla Coil, Polarity

Zoroaster - Matador
Staubig und langsam rollt die Dampfwalze aus Georgia auf den geneigten Hörer zu. Schleppende und esoterische Klänge drücken sich durch das Trommelfell und paralysieren sofort. Was Zoroaster da so aufs Parkett bringen, ist schon beeindruckend. Im Hintergrund hallender choraler Sing Sang und dazu hypnotisches Riffing. Immer wieder wird die Materie jedoch auch durch schnelleres Drumming und rockige Riffs durchbrochen. Man merkt förmlich, wie psychoaktive Drogen aus der Platten siechen, so zugedröhnt klingt sie. Für Genrefans sicherlich eine ganz klare Bereicherung. Ich habe mich jedenfalls prächtig mit der Scheibe amüsiert!
Anspieltipps: Trident, Ancient Ones

August
The Sword - Warp Riders
Halleluja, endlich wieder großartige Rockmusik, die herrlich alt und doch wie etwas völlig Neues klingt. Irgendwie haben sie Doomanleihen, aber auch Stonereinflüsse und so richtig lassen sich die Texaner nicht schubladisieren. Mittlerweile dürften sie international schon steil durch die Decke gegangen sein, nachdem die Mainstreammusikpresse sie vor ein paar Jahren für sich entdeckt hat.
Geändert hat sich allerdings über die Zeit bei The Sword nicht viel. "Warp Riders" klingt zwar deutlich reifer, rockorientierter und weniger nach klassischem Heavy Metal, als die ersten beiden Veröffentlichungen, allerdings wird das Niveau der Vergangenheit konstant in der Höhe gehalten.
Absolut sympathisch und mit göttlichen Gitarrensoli.
Anspieltipps: Arrows In The Dark, Night City

Wretched - Beyond The Gate
Oh, oh. Trendcore und das von Victory. Ihgitt, das hätte aber eigentlich ganz böse ins Auge gehen müssen. Der Vorgänger ließ dieses Meisterwerk auch bei Weitem nicht vermuten.
Und jetzt? Wurde ich mächtig überrascht. Unter den Milliarden an Deathcoreepigonen haben es Wretched geschafft. Macht das das Artwork vom ollen Seagrave? Keine Ahnung, aber diese irre Platte macht einfach unglaublich viel Spaß. Seit Jahren suche ich schon eine Ersatzdroge für die absoluten Könige des Genres The Faceless, aber die lassen ja mit einer weiteren Veröffentlichung immer noch auf sich warten. Gut für Wretched, die in der Zeit tiefe Kerben in den Thron hauen. Abwechslungsreich und mit einer Spielfreude versehen, dass einem das Herz nur so aufgeht. Herrlich hart, technisch versiert und trotzdem mit Wert für packende Melodien. Ganz starkes Album, das sich hier überhaupt keinen Trend anbiedert und einfach sein Ding durchzieht. Respekt.
Anspieltipps: Birthing Slot, In The Marrow

Mogwai - Special Moves
Mogwai sind sehr speziell und für viele die Postrock Band überhaupt. Menschlich kann man ja von einigen Egomanen halten, was man will, aber musikalisch sind sie einfach über alles erhaben. Diese Liveaufnahmen sind unglaublich intensiv und atmosphärisch. Der in schwarz/weiß gedrehte Film zur visuellen Illustration passt einfach perfekt. Sicherlich aber auch die großartige Auswertung auf Vinyl trägt einiges zum Hör- und auch Seherlebnis bei. Auf 3 Platten werden 17 Songs gespielt, eine CD mit DVD befindet sich ebenfalls in der edlen und bis ins letzte Detail verliebt konstruierten Box.
Dieses Livealbum ist ein Erlebnis, das man sich definitiv einmal geben sollte.
Anspieltipps: Yes! I Am A Long Way From Home, I'm Jim Morrison - I'm Dead

Oktober
Kylesa - Spiral Shadow
Oh man, was hatte ich mich auf diese Scheibe gefreut und was war ich enttäuscht, wie simpel und einfach sie dann ausfiel. Überhaupt nichts wollte zünden, schrecklich banal klang das Teil und irgendwie sehr unausgereift. Tja, und dann hab ich mir das Album geschnappt und einen langen Spaziergang gemacht. Und siehe da, es hat gefruchtet.
Plötzlich stellte sich jenes von Euphorie durchtränktes Gefühl ein, das mich auch schon bei den vorherigen Veröffentlichungen heimsuchte. Unglaublich kraftvoll und knochentrocken wie die Wüste selbst brettert diese Hölle von einem Album auf den Hörer ein.
Die Songs mögen auf den ersten Blick wirklich sehr einfach strukturiert sein, aber wenn man genau hinhört, dann erkennt man etliche Effekte und Nuancen, die sich perfekt in den Sound einreihen und die ganze Platte so unglaublich interessant machen. Supreeeeeeme!!!
Anspieltipps: Drop Out, Don't Look Back, Dust

Her Name Is Calla - Quiet Lamb
Ich kann ja wirklich nichts mit Indiemusik anfangen und ich weiß nicht mal, ob die Engländer tatsächlich Indierock machen (wohl eher nicht), aber das, was sie tun, ist extrem ergreifende Musik. Vielleicht sollte man sie eher in das Post Rock Genre einordnen.
Schwere Songs, elegische Momente und viel, viel Wehmut schwingen im Klang von Her Name Is Calla mit. Sanfte Melodien werden aufgebaut, die jederzeit zerbrechen können, um im nächsten Moment in mächtigen, gänsehauterzeugenden Höhepunkten zu münden. Dazu kommt die stimmliche Akrobatik einfach großartig.
Anspieltipps: Pour More Oil, Homecoming

November
Les Fragments De La Nuit - Demain C´etait Hier
Französische Neoklassik. Eigentlich überhaupt nicht mein Ding. Komischerweise wanderte die Scheibe aber trotzdem in meine Plattensammlung. Mir fällt es nicht besonders leicht, diese Art von Musik zu beschreiben, aber man sollte sie definitiv einmal gehört haben. Klavier und dazu Geigen und das in einem virtuos, melodiegeladenen epischen Sujet. Jedes Mal, wenn ich die Platte auflege, überkommt mich ein Gefühl tiefer Ehrfurcht. Was für majestätische, kraftvolle, filigrane Klänge. Ein ganz besonderer Höhepunkt für mich in diesem Jahr.
Anspieltipps: Cyclogenese, Soupir

The Dale Cooper Quartet - Parole de Navarre
Und hier ist auch schon wieder etwas, das mir bis dato eher fremd und unvertraut war. Darkjazz, Doomjazz, Dark Ambient? Ist eigentlich nichts für mich. Alles klingt irgendwie unfertig und so, als könne jeder, der die Instrumente auch nur halbwegs grade bedienen kann, ähnliche Resultate abliefern. Aber wenn man sich dann doch etwas genauer damit beschäftigt, gewinnt die Musik etwas ganz eigenes. Beim Namen fällt schon ein bisschen auf, wohin die Reise geht. Dale Cooper ist schließlich einer der ausgefallensten Charaktere in der Fernsehgeschichte. Trist und irgendwie porös wirkt die Musik. Im Hintergrund knarzt es und schon nach den ersten Klängen beginnt die Reise nach Twin Peaks. Ich bin mir nicht 100% sicher, aber ich würde auch behaupten, dass zumindest Versatzstücke des Soundtracks in "Parole De Navarre" Verwendung gefunden haben. Einfach klasse, wie ein tiefes Instrument rumzuppelt, den Hörer in der akustischen Leere zurück lässt, bis aus der Ferne ein Blasinstrument ertönt und einen an die Hand nimmt und in weiche Klangteppiche hüllt. Wahnsinnig!
Anspieltipps: Aucun Cave, Ma Dressing, Ma Couloir

Leider sind mir die neuen Scheiben von den göttlichen Electric Wizard und Monster Magnet noch nicht unter die Griffel gekommen, sonst hätten sie sicherlich ebenfalls Erwähnung gefunden.
Nichtsdestotrotz soll das der kleine Querschnitt gewesen sein.
Falls jemand Anregungen gefunden haben sollte, würde mich das natürlich ausgesprochen freuen!

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Alles bleibt so. Gesetz gekippt.

+++Update+++
Danke für die Informationen und die Hoffnung, dass es vermutlich doch gar nicht so schlimm werden wird! Das macht Mut! Anscheinend stehen die Chancen doch besser als gedacht und die Wahl von einer .com Adresse könnte sich als Glücksfall herausstellen :)

+++Update+++
Das Gesetz ist vorerst vom Tisch.

Liebe Leser/-innen,

wir befinden uns hier auf einem Blog, das sich mit Filmen und speziell der Kultur phantastischer Filme sowie Artverwandtem beschäftigt.
Ich habe mich bewusst niemals zur Tagespolitik geäußert, da an dieser Stelle einfach kein Platz dafür ist. Leider muss ich diesen von mir auferlegten Grundsatz heute brechen.
Grund dafür ist der neue Jugendmedienstaatsvertrag.
Es wird sicherlich keinem entgangen sein, dass derzeit wahnsinnige Forderungen und düstere Konsequenzen für das "Mitmach-Internet" drohen.
Schon vor ein paar Jahren führte die deutsche Politik unter dem Deckmäntelchen des Jugendschutzes Gesetze ein, die abstruser nicht hätten sein können.
Eine zeitlang waren importierte Filme per se verboten, wenn sie keine deutsche Altersprüfung hatten. So machte man sich, im Sinne des Jugendschutzes, strafbar, wenn man beispielsweise eine französische DVD von Bambi nach Deutschland schicken ließ.
Zum Glück hat die Politik irgendwann bemerkt, was für widersinnige Regelungen sie eingeführt hatte.
Mittlerweile habe wir FSK-Logos, die groß auf der Vorderseite einer DVD prangen und somit jedes Artwork komplett zerstören. Der Wahnsinn geht aber weiter.
Als wäre die Weihnachtsstimmung durch die aktuelle Netzpolitik von internationalen Regierungen nicht deprimierend genug, macht sich Deutschland in Form der so genannten etablierten Parteien (namentlich: CDU, CSU, FDP, SPD, Grüne, die Linke) auf, eine Alterskennzeichnungsinfrastruktur aufzubauen, die jedes mit Vernunft beseelte Wesen nur verzweifelt mit dem Kopf schütteln lässt.
Künftig sollen alle Inhalte im Internet mit einer Altersfreigabe versehen werden, zum Schutz der Jugend.
Dass Jugendschutz eigentlich Aufgabe der Eltern sein sollte, interessiert aber anscheinend niemanden mehr.
Die Möglichkeit, die eigene Seite rechtssicher zu machen, ist für kaum einen Blogger gegeben.

Der pop64 Blog beschreibt das Dilemma:
"Kein einziger Nutzer eines der Milliarden WordPress-Blogs kann eine age-de.xml Datei in den Webroot legen. Keines der hundert anderen Blogsysteme dieser Welt kann das."

Das Problem ist außerdem, dass kein Mensch wirklich weiß, wie die ganze Kiste schlussendlich wirklich ablaufen soll!
Da mir die nötige Expertise fehlt und ich als Einzelperson kein Risiko eingehen will, muss ich leider daraus Konsequenzen ziehen.

Der Zombiebunker wird voraussichtlich von der neuen Gesetzgebung gar nicht betroffen sein! Olé!

Vielen Dank für die bisherige Unterstützung.

Einstweilen,
....

Samstag, 4. Dezember 2010

E tu vivrai nel terrore - L'aldilà (Geisterstadt der Zombies - 1981)

Wer kennt ihn nicht? Lucio Fulci. Nun, ich nicht. Jedenfalls sehr lange. In meiner Jugend war der Name immer ein Phantom. Ohne Internet wussten wir damals nur, dass er Zombiefilme machte und dabei mit reichlich viel Blut zu Werke ging. Es gab sogar Gerüchte, dass er mit echten Leichen drehte! Die Indizierung der meisten seiner Filme führte auch dazu, dass es sehr lange dauern sollte, bis wir den Film tatsächlich mal zu Gesicht bekamen. Ähnliches galt auch für Evil Dead, der ebenfalls lange Zeit eine Unbekannte darstellte.
Zum Glück wurde mir über die Jahre die Ehre zuteil, mehrere filmische Werke vom italienischen Meister des Zombiehorrors sichten zu können.
Heute geht es um "E tu vivrai nel terrore - L'aldià" (1981), auch unter dem Titel "The Beyond" bekannt.
Der Film versprüht eine unglaublich dichte Atmosphäre und haut uns deftiges Gekröse vor den Latz.
Eine blonde Dame, Catriona MacColl, die durch den geheimnisvollen Filmclub Buio Omega eine späte, aber verdiente, Ehrung erhielt (Video Teil 1, Video Teil 2), übernimmt ein Hotel im Sumpfgebiet von Louisiana. Die Umgebung sieht schon ziemlich siffig und ungastlich aus, aber in dem Gebäude des Hotels wurden 1927 auch noch sämtliche Bewohner umgebracht und zwar auf nicht sehr nette Weise. Das Haus ist also irgendwie verflucht.
Und irgendwie ist es jetzt auch eines der Tore zur Hölle. Wie, das mag nicht logisch erscheinen? Ganz egal, der Film packt dich trotzdem bei den Testikeln und schleift dich durch ätzende Brühe.
Und mit ätzender Brühe werden hier ebenfalls die Splattereffekte serviert, auf die man den Streifen aber keinesfalls reduzieren sollte.
In erster Linie steht der subtile Horror im Vordergrund, der vor allem durch die beklemmenden Gemäuer des Gebäudes transportiert wird. Es ist also keinesfalls ein reinrassiger Zombiehorrorfilm, sondern über weite Strecken ein lupenreiner "haunted house"- Streifen.
Die weißen Kontaktlinsen einiger Geister, Untoter oder Halblebendiger (man weiß das nicht so genau), jagen dem Betrachter an vielen Stellen einen wohligen Schauer über den Rücken.
Wenn geschpläddert wird, dann geht es schon ziemlich deftig zur Sache. Eigentlicht tut es das sogar verhältnismäßig oft! Natürlich sieht es aus heutiger Sicht sehr einfach und eher amüsant aus. Man erkennt, wenn Puppen zum Einsatz kommen, aber es wirkt trotzdem nicht billig. Von daher wäre es auch mehr als angebracht, den Titel endlich mal vom Index zu streichen. Eine rot/gelb/grüne Pampe blubbert den Opfern und Zombies ständig irgendwo raus und wenn sie mal verwundet werden sollten, dann klatscht die ganze Jauche fontänenartig durch die Bude. Kein schöner Anblick, aber durchaus effektiv. Man ekelt sich und das nicht zu knapp. Erwünschter Effekt erzielt.
Ach ja, für wen Spinnen eher zu den unliebsamen Genossen, mit denen man sich diesen Planeten teilt, gehören, der sollte zumindest bei einer Szene seine Auge ganz, ganz lange schließen. Ein ganzes Kampfgeschwader von Achtbeinern fällt über das paralysierte Opfer her und mampft sich einmal durch das Gesicht. Da darf es auch nicht fehlen, dass eine besonders fette Tarantel seinen Hinterleib mal eben in der Zunge des Humanoiden versenkt. Wirklich widerlich und ziemlich explizit dargestellt.
Die deutsche Synchronisation bietet an der ein oder anderen Stelle Grund für einige Lacher, trotzdem ist sie über weite Strecken sehr ernst und gelungen gehalten.
Nicht immer logisch ist auch die Handlung. Die Motivation der Charaktere leuchtet nicht immer ein und man ärgert sich am Schluss regelrecht. Dieser deppenhafte Amateurzombiekiller hat eine Lernkurve, die steil nach unten geht. Selbst nachdem er mehr als ein Dutzend Zombies umgenietet hat, bemerkt er nicht, dass er auf den verdammten Kopf zielen muss! Stattdessen verballert er völlig nachlässig sein Magazin. Aber gut, seine Knarre lädt sich auf wundersame Weise sowieso von selbst auf, daher kann er wohl auch verschwenderischer damit rumfeuern.
Auch wenn es nicht den Anschein erwecken mag, der Streifen ist bierernst. Man bekommt zwar die ein oder andere ulkige Situation, aber schon im nächsten Moment setzt der Film zu einem üblen Tiefschlag an.
Tierhorrorfreunde kommen mit fiesen Spinnen und durchgedrehten Schäferhunden ebenfalls auf ihre Kosten. Ein wilder Genremix, der, ob Auftragsarbeit hin oder her, zu gefallen weiß! Handwerklich durch sehr coole Kameraeinstellungen, die tollen Kulissen und eine temporeich erzählte Handlung ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Großartig!
Für Horror- und Italofreunde ist das kleine Meisterwerk definitiv Pflicht und vermutlich sowieso schon längst fester Bestandteil der Sammlung.
Beim Kauf sollte man jedoch darauf achten, dass man nicht ein geschnittenes Exemplar erwischt. Davon geistern wenigstens 2 in DVD-Form rum.

Sonntag, 28. November 2010

Django (ITA - 1966)

Zur Besprechung von "Django Unchained" geht es hier lang: klick.
Nanu, ein Western wird im Zombiebunker besprochen? Ist doch gar kein Horror und nach konservativer Auslegung auch kein B-Movie! Ja, aber wir reden hier von "Django" (1966)! Der Italowestern, der im Laufe der Jahre etliche mehr oder weniger hochwertige Epigonen auf den Plan rief (unter anderem "Django - sein Gesangbuch war der Colt" (1966), "Django - die Bibel ist kein Kartenspiel" (1968), "Django - die Geier stehen Schlange" (1966) oder "Django spricht kein Vaterunser" (1968)) und somit einen zelluloiden Grundstock für Freunde der raubeinigen und staubigen Unterhaltung, lieferte.
Django, das ist Franco Nero. Ein Sympathieträger, der zwar nicht in Sphären eines Clint Eastwoods vorstößt, aber sehr nahe an dessen Firmament kratzt.
Regisseur Sergio Corbucci (Italowesternregisseure müssen mit Vornamen Sergio heißen, das ist ein Qualitätsmerkmal!) war auch schon vor "Django" westernerprobt und liefert mit diesem Streifen spannende Unterhaltung für Westernliebhaber, aber auch den geneigten Zuschauer von guten Filmen. Wer gern in für ihn/sie fremden Genre wildert und eigentlich nichts von Western im Allgemeinen und Italowestern im Besonderen hält, sollte dennoch einen Blick auf dieses außergewöhnliche und aus der Masse herausragende Kleinod werfen.
Aber was macht "Django" so besonders?
Nun, sicherlich ist ein großer Faktor in Franco Neros Art zu schauspielern begründet. Charisma und Testosteron gepaart mit routiniertem Auftreten, Fingerspitzengefühl (für soziale Beziehungen und für seinen Colt) und einer Aura der Unnahbarkeit.
Die Geschichte ist an denkbar einfachen Eckpfeilern aufgezogen. Django kommt in eine fast verlassene Stadt, in der sich die Truppe von Major Jackson mit den mexikanischen Gesetzesuntreuen des General Hugo Rodriguez bekriegt.
Auf dem Weg dorthin befreit er eine hübsche Dame (Loredana Nusciak) aus den Fängen von fiesen Banditen. Sie wird im Verlauf der Handlung noch eine Schlüsselrolle im Spannungsfeld der verfeindeten Parteien einnehmen.
Der politische und ethnische Konflikt ist vorgezeichnet. Major Jackson lässt seine faschistoide und bibeltreue Bande mit roten Kapuzen durch die Wallachei reiten und Kreuze, vor ihrer Meinung nach sündigen Personen, aufstellen. In ihrer Freizeit schnappen sie sich Mexikaner, lassen sie scheinbar frei, um dann doch Zielübungen an ihnen vorzunehmen.
Auf der anderen Seite die getriebenen Mexikaner, nach denen in Mexiko gefahndet wird. Sie sind auf der Suche nach irgendeiner Möglichkeit, um wieder in ihre Heimat zurück zu kehren. So streifen sie marodierend durch Amerika, amüsieren sich und kommen mit ihrem Vorhaben nicht voran.
Und dann kommt da dieser Bursche in die Stadt, mit nichts als einem Sarg, und räumt den Laden mächtig auf.
Ein sehr ambivalenter Charakter ist Django. Er ist der Antiheld, der Outlaw und doch hat er ein Feingespür für Gerechtigkeit.
In seinem Sarg trägt er ein Geheimnis, das schon nach der zweiten Auseinandersetzung mit Major Jackson gelüftet wird. Dieser kommt nach einer herben Niederlage gegen Django mit seiner ganzen Kompanie im Schlepptau in die Geisterstadt geritten, um diesen platt zu machen.
Aber Django holt sein Maschinengewehr aus dem Sarg und hält, wie Bill Duke einst in Predator (1987), voll drauf.
Die Geschichte nimmt von hier an Fahrt auf, denn Django schmiedet mit den Mexikanern eine Allianz und stiftet sie zu einem Geldraub an, damit sie sich von der Beute auch solche schönen Knarren besorgen können. Mit diesen im Gepäck wäre es für sie ein Leichtes, nicht nur in die eigene Heimat zurück zu kehren, sondern sie direkt zu übernehmen.
Allerdings geschieht noch einiges im Verlauf der Geschichte, was an dieser Stelle nicht verraten werden soll.
Das Gewaltlevel ist wirklich hoch und gerade zum Schluss, als einer Person von Pferden die Hände zerstampft werden, geht es einem selbst durch Mark und Bein.
"Django" lebt von großartigen Szenen, tollen Settings, einem sehr stimmungsvollen Soundtrack und der wirklich, jedenfalls damals, originellen Geschichte.
Kein stumpfes Kino für Männer, sondern durchaus differenziert zu betrachten.
Wer überlegt, sein Westernklischee in Frage zu stellen und diesem Kultgenre mal eine Chance zu geben, hat mit der "Django"-Reihe eine gute Möglichkeit, dieses Vorhaben erfolgreich durchzuziehen.
Natürlich sind epische Western wie "Il buono, il brutto, il cattivo" (1966) von Sergio Leone oder "Per un pugno di dollari" (1964) von einem ganz anderen Kaliber. Aber wer sich für Western mit Überlänge nur schwerlich erwärmen kann, ist mit den knackigen 88 Minuten von "Django" gut beraten.
Momentan gibt es eine Box mit den beiden anderen Django-Streifen "Django, der Rächer" (1966) und "Djangos Rückkehr" (1987) für wirklich günstige 10 €.
Die Bildqualität ist super (es gibt ab und zu sehr schöne nostalgische Bildverunreinigungen, die nicht weiter stören), die Aufmachung in einem Digipack mit Schuber und Booklet ist vorbildlich und Extras mit Dokumentationen und Interviews gibt es auch noch.
Ganz klare Kaufempfehlung für Neulinge. Westernfans werde ich hier ja nichts Neues mehr erzählen.

Donnerstag, 25. November 2010

Morte sospetta di una Minorenne (Suspected Death Of A Minor - 1975)

Die Tage werden kürzer, das Wetter draußen ungemütlicher, also steht der zwanglosen Filmbeschau nichts mehr im Weg. Wir bleiben in Italien.
Die Nummer eins der Italian Genre Cinema Collection, damals noch von sazuma veröffentlicht, dieser Tage an Camera Obscura übergeben, soll es heute sein.
"Morte Sospetta Di Una Minorenne" (1975) ist ein bunter Strauß aus vielen Genres des italienischen Kinofilms. So haben wir unter anderem Versatzstücke des Poliziesco, aber auch des Giallos und eine Prise Komödie.
Auf dem Drehstuhl saß der gialli-erprobte Sergio Martino, der auch für großartige Streifen wie "I corpi presentano tracce di violenza carnale" (1973) oder "Lo strano vizio della Signora Wardh" (1971) verantwortlich war.
Der Film kommt allerdings ganz ohne deutsche Synchronisation aus, da er OmU (Original mit Untertitel) veröffentlicht wurde. Macht aber nix.
In der Anfangssequenz sehen wir eine hübsche, rotgelockte junge Dame, die offensichtlich versetzt wurde, gefolgt von einer tanzenden Menge Rentnern. Die sehr lebendig gedrehte Szene wirkt trotzdem reichlich bizarr (vielleicht liegt das auch an der Frau mit der hellblauen Perrücke?). Die junge Dame ist übrigens eine Prostituierte!
Sie bekommt einen Zettel zugesteckt und bemerkt einen finsteren Burschen jenseits der Tanzmeute mit lässig verspiegelter Sonnenbrille, schmeißt sich schutzsuchend dem erstbesten Mann mittleren Alters an den Hals und tanzt mit ihm eine Runde. Während die Haartolle ihres neuen Begleiters (Claudio Cassinelli) penetrant im Gesichtsfeld rumbaumelt, schleicht sich der zwielichtige Geselle wenig elegant, aber dafür stark rauchend und die Leute vollquarzend, durch die Menge.
Tja, wie soll es anders sein, der Killer schlägt zu, es beginnt eine Hatz, die in einer eindrucksvollen und expliziten Tötungsszene gipfelt. Hier kommen die eingangs erwähnten Giallozüge zum tragen, auch wenn sie verhältnismäßig rar gesät sind.
Besonders die Aufnahme des Killers nach getaner Arbeit, als er sich von seinem Opfer entfernt und in die völlige Dunkelheit taucht, ist klasse. Überhaupt wird in dem Streifen sehr viel mit Schatten und Ausleuchtung gearbeitet.
And there are mustaches everywhere!
Außerdem gibt es etliche Schlägereien (unser Protagonist wird von einer fülligen Dame mit einer Handtasche verkloppt), verruchte Prostituierte, geschmackvolle italienische Inneneinrichtungen (großartige Tapeten!) und akrobatische Verfolgungsjagden.
Claudio Cassinelli, zunächst ebenfalls zwielichtig, entpuppt sich OBACHT SPOILER selbst als ein ermittelnder Mann des Gesetzes. Im Laufe des Films bekommt sein Schießeisen viel Arbeit und am Ende wird er vor eine bedeutende Entscheidung gestellt, für die er extra in die schöne Schweiz reist.
Höhepunkte des Films sind zweifelsohne die raffinierten Mordszenen aus der Gialloecke. Aber auch die rasanten Verfolgungsjagden, die dem Zuschauer mit Slapstickeinlagen versüßt werden, zaubern ein Schmunzeln auf das Gesicht. Unser cooler Bulle bekommt einen humorigen Assistenten an die Seite gestellt, der während er mit seinem Chef in einer alten Ente (das Auto) durch die Straßen flüchtet, auf die Verfolger mit den Türen des maroden Autos wirft. Es ist ganz genauso bizarr, wie es sich anhört. Die Stunteinlagen am Rande dieser turbulenten Jagd unterstreichen dabei den Wahnwitz, der dem italienischen Kino so eigen ist.
Martino rekurriert in einer Szene sogar direkt auf sich selbst. Er lässt seine Protagonisten in einem Kino einen Film von sich höchstpersönlich schauen.
Das Ganze endet dann mit einer wilden Verfolgungsjagd auf dem Dach des Kinos, welches sich plötzlich öffnet und Cassinelli in eine zumindest unbequeme Situation versetzt. Nein, so etwas habe ich bisher noch nie gesehen. Ein Kino mit Schiebedach. Wahnsinn!
Eine weitere Szene darf ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Eine Gruppe sündenaffiner Geschäftsleute sitzt in einer Sauna. Auf den leicht adipösen Herren links vorn im Bild sollte besonders geachtet werden. Dieser reibt sich fast schon genüsslich seine Speckbrüste und kellt mit seinen Pfoten schön unter die stinkigen Achseln. Meine Güte. Was hat er sich dabei nur gedacht? Der nette Herr aus dem Film hier drunter (mit der Gummipuppe und dem Messer) hat übrigens auch einen kleinen Auftritt in "Morte Sospetta Di Una Minorenne".
Wenn das allein noch nicht überzeugt, dann habe ich nun das ultimative Argument: Audiokommentar mit Sir Christian Keßler und Mister Robert Zion. Es ist ein Fest!
Die beiden präsentieren ihr Fachwissen im Bereich des italienischen Genrefilms, lassen eine Zote nach der anderen vom Stapel, analysieren tiefenpsychologisch die Szenerie und erteilen dem Zuhörer eine Unterrichtsstunde in Sachen italienischer Geschichte.
Ich habe schreiend auf dem Boden gelegen, als Herr Keßler gegen Mitte des Films auf einen taubenschissgroßen Schmutzklumpen verweist, der, warum auch immer, im Gesicht einer unmittelbar getöteten Person landet. Herrlich.
Selbst wenn der Film nicht einmal ansatzweise so gut wäre, wie er nunmal ist, rechtfertigte der exzellente Audiokommentar einen Kauf vorbehaltlos.
Veredelt wird die Veröffentlichung durch die distinguierte Verpackung (Digipack mit Schuber, Booklet mit Essay von Christian Keßler) und einem sehenswerten ca. 26 minütigen Interview mit Regisseur Sergio Martino.
Eine klasse Veröffentlichung, die man sich noch schnell unter den Nagel reißen sollte, bevor es sie nicht mehr gibt.